Ganztagsschule bremst Vereine aus - Fortsetzung

 

Homburg. Das haben wohl nur wenige erwartet: Wenn an der Schulschraube, speziell am Nachmittagsunterricht gedreht wird, dann wirkt sich das auch auf die Vereine aus. Es ist jedenfalls ein Problem, das dem Homburger Stadtverband für Sport, dem etwa 85 Vereine angehören, derzeit viel Kummer macht. Die Kinder, erläutert Thomas Welter, Geschäftsführer und Sportamtsleiter, werden in den Schulen oder den Kindertagesstätten bis spät am Nachmittag betreut. Danach fehle die Möglichkeit, dass sie ins Training gehen. Die Folge: Sie treten aus den Vereinen aus, die Talentförderung bleibt ebenfalls auf der Strecke. Es sei abends für die Kleineren auch einfach zu spät für Sport, zudem seien die Hallen komplett ausgebucht.

Gemeinsam mit der Vorsitzenden Astrid Bonaventura und Benjamin Göddel aus dem Vorstand ist Welter in die Lokal-Redaktion unserer Zeitung gekommen, um auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Das übrigens, so Bonaventura, noch verschärft werde durch das nun auf acht Jahre verkürzte Gymnasium. "Die Kinder treten aus den Vereinen aus", weil sie es einfach nicht schafften mit dem Lernen und den Hausaufgaben. Kompliziert werde das Ganze zudem dadurch, dass Kinder durch die Schließung verschiedener Grundschulen nun andernorts unterrichtet werden. Wenn überhaupt, machten sie dann dort Vereinssport, "wo sie in die Schule gehen", berichten die Drei.

Hoffnungslos ist die Lage indes nicht. "Es hakt, weil es ein neues Problem ist", erklären sie. Dabei ließe sich vieles lösen, wenn Schulen, Kitas und Vereine aufeinander zugingen. Schließlich brauchen auch die Nachmittagsbetreuer Angebote für die zusätzlichen Stunden. Wenn zum Beispiel sportlich etwas laufen solle, würden die Trainer häufig von außerhalb eingekauft, so Welter. Dabei gebe es in den Vereinen in der Regel sehr gute ausgebildete Übungsleiter - und diese seien zudem wesentlich günstiger.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benjamin Göddel, Astrid Bonaventura und Thomas Welter

(von links) vom Homburger Stadtsportverband

 

Kooperationen sind an sich für Schulen und Vereine nichts Neues. Vereinzelt gebe es die bereits, hieß es. Zum Beispiel werde das Projekt Schule und Verein gepflegt, das allerdings in diesem Jahr nicht zustande gekommen sei. Dabei stellen Vereine an einem Tag an der Schule möglichst viele Sportarten vor, um so bei den Kindern Spaß an der Bewegung zu vermitteln und das Interesse zu wecken.

Der Verband will nun das verhältnismäßig neue Problem anpacken, das auf die Vereine zugerollt ist. Und hier hat Astrid Bonaventura auch ein Anliegen an die politischen Träger: Diese sollten sich über die weit reichenden Konsequenzen solcher Entscheidungen Gedanken machen, gerade wenn das Ehrenamt hochgehalten werden soll. Schließlich sollte man den Vereinen auch die Zeit und Chance geben, das, was sie leisten, auch ausüben zu können.

Quelle: Pfälzischer Merkur vom 18.11.09 / von Merkur-Mitarbeiterin Ulrike Stumm